von der kunst des gratwanderns. ein rückblick auf unser jahr 2015.

Tobi und Timo Portrait Snapseedwas für ein wundervolles, fast magisches jahr hinter uns liegt!

wir hatten ein einziges, großes ziel für dieses jahr: unseren eigenen ansprüchen gerecht zu werden.

und das war beileibe kein einfaches ziel.

unsere ansprüche sind zunächst mal einfach formuliert: BESSER IST BESSER. OHNE WENN UND ABER.

aber was bedeutet das in der realität, in der greifbaren wahrheit an unserer bar?

wo ist besser tatsächlich besser? und wo ist „besser“ schon weit über das ziel hinausgeschossen, sprich: am gast vorbei?

wo erntet unser idealismus nur noch unverständiges augenrollen, wo ist die grenze zwischen beifall und kopfschütteln?

 

eines ist uns klar: „besser“ sein zu wollen, kostet. zunächst mal kostet es viel idealismus, und der wiederum kostet viel zeit. gut, haben wir. nehmen wir uns. sogar liebend gerne, denn es ist unsere passion. und niemand darf sich glücklicher schätzen , als derjenige, der seine zeit damit verbringen darf, seiner passion zu folgen.

aber dann kostet „besser“ auch noch geld. klingt einleuchtend: bessere spirituosen kosten eben für gewöhnlich mehr geld. handverlesene zutaten ebenfalls. unsere geschliffene bleikristall-gläser, kupferne mule-tassen oder silberne julepbecher kosten mehr als  profane industrie-pressgläser von der stange. individualismus ist teuer. IMG_7864

„besser“ kostet zeit. denn für einen guten drink muss man sich auch in der herstellung angemessen sorgfalt und eben zeit nehmen. und ein exzellenter drink braucht eben noch etwas mehr zeit und sorgfalt. doch das ist in diesem falle nicht nur unsere zeit. sondern auch die zeit des gastes. die zeit, die er wartend zwischen aufgeben der bestellung und dem ersten schluck des ersehnten cocktails verbringt. wartend, vielleicht sich unterhaltend, beobachtend. in jedem fall aber zunehmend ungeduldig mit fortschreitender dauer jener zeitspanne.

qualität kostet zeit – das ist jedem gast einleuchtend. aber es wäre eben schöner, wenn es die zeit der anderen menschen wäre, die es kosten würde, nicht die eigene – bei diesem gedanken ertappt sich wohl jeder noch so verständnisvolle, aber eben durstige conaisseur feiner getränke, während er auf seinen erwählten drink wartet.

und all diese kosten haben also ihre grenze. ein drink darf nicht beliebig teuer sein – denn sonst wird ihn, trotz höchster qualität, eben kaum jemand nachfragen. es darf nicht zu lange dauern, selbst ein meisterwerk von einem cocktail herzustellen, denn sonst überwiegt die ungeduld die vorfreude, und trübt in folge dessen natürlich auch den verspäteten genuss des getränkes.IMG_2057

Wo liegt also jene grenze? die antwort ist ebenso einfach wie ernüchternd: sie lässt sich nicht bestimmen.

denn sie ist bei jedem gast unterschiedlich. nicht nur individuell vorgeprägt, je nachdem , ob man ein ungeduldiges oder langmütiges naturell in die wiege gelegt bekam. sondern auch situationsbedingt verschiebt sich jene grenze, sie kann sich inerhalb weniger stunden, ja sogar minuten deutlich verlagern: ist es eine geistreiche, anregende oder gar romantische unterhaltung, die man mit seiner begleitung führt, so dass die zeit sprichwörtlich wie im fluge vergeht? ist man zufrieden mit sich und der welt, im einklang und voller verständnis für die menschheit um einen herum? oder fühlt man sich eher wie ein einsamer steppenwolf, grantig, durstig, unverstanden? (die liste der unterscheidlich vorstellbaren zustände des geschätzen gastes liesse sich hier beliebig fortführen, die intension wird der leser vermutlich bereits verinnerlicht haben).

auch die gastronomische vorprägung spielt eine nicht zu unterschätzende rolle: nach wie vor betrachten wir uns hier in der fränkischen provinz als missionare der barkultur, obwohl wir nun bereits seit 17 jahren das hehere ziel verfolgen, ein selbstverständnis gehobener barkultur fest zu etablieren. jeden neuen gast wollen und müssen wir davon überzeugen, dass sich das warten eben lohnt, und der etwas gehobenere preis durch ein exzellentes geschmackserlebnis vergessen gemacht wird. doch auch hier mag verständlich sein, dass der gast, welcher sich bislang durch die niederungen von fastfood- und fastdrinkketten treiben liess, ein geringeres maß an verständnis mitbringt, wie ein erfahrener bessertrinker.

so haben wir in diesem jahr vor allem eines gelernt: grate zu wandern. grenzen zu beschreiten. das maximum an qualität zu bieten, ohne über besagte grenze hinauszuschnellen. das ist nicht immer einfach. und bedarf unendlich viel übung und langjährige erfahrung.

und so bitten wir hiermit um verzeihung, sollten wir einmal über jene grenzen hinausgeeilt sein, sollte ein drink zu lange gedauert haben, sollten wir zu verspielt und detailversessen die perfektion des drinks über die individuelle grenze der erträglichen wartezeit gestellt haben.

Doch in der retrospektive ist es uns im vergangenen jahr doch meist gelungen, die richtige balance zu finden. BESSER IST BESSER, auch innerhalb der grenzen, die uns der gast unbewusst vorgibt.

IMG_8332_Fotor 3doch nicht nur damit dürfen wir zufrieden sein. wir möchten uns an dieser stelle bei allen gästen, freunden, partnern und mitbewerbern für ein grossartiges jahr 2015 bedanken:

wir konnten zahlreiche neue gäste begrüssen, bewirten und letztendlich auch begeistern. wir konnten unseren ruf weit über die grenzen unserer stadt hinaus festigen und verbessern. wir durften auszeichnungen und ehrungen entgegen nehmen. wir konnten mit unseren kreationen auf diversen internationalen cocktailwettbewerben deutlich überzeugen. wir haben unseren alchemie-idealismus auch dank unserer mitbewerber auf ganz neue ebenen führen können. wir durften zahllose wunderbare menschen als gäste bewirten. wir haben gelacht und geflucht, getanzt und geackert. wir haben tolle partys gefeiert, und entspannte genussmomente erlebt.

und all das macht unseren beruf so liebenswert, und das leben als ‚alchemisten der nacht‘ so lebenswert.

habt dank.

wir wünschen euch ein wundervolles 2016! möge euer glas stets gut gefüllt sein!

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