unvermeidlich: ein jahresend-ranking. wir stellen unsere 5 lieblingsdrinks des jahres 2015 vor.

Tobi Glas 1 Ausschnitt klein 1,6MP_Snapseed_Snapseed2jahresende. zeit ein wenig nostalgisch zu werden.

wir lassen in gedanken das vergangene jahr noch einmal revue passieren. ähnlich wie viele menschen bestimmte düfte und gerüche mit bestimmten situationen oder lebensphasen verbinden, erinnern uns bestimmte cocktails und drinks an besondere ereignisse, aussergewöhnliche momente oder erinnerswerte episoden.

und genau diese drinks möchten wir euch hier gerne vorstellen – weniger um ein theoretisches geschmacksbild von ihnen zu zeichnen, sondern vielmehr um euch unsere ganz besondere verbindung zu diesem oder jenem drink nahe zu bringen.

 

1. Gin Basil Smash

was für ein göttliches getränk, bestehend aus gin, frischem limettensaft und frischen basilikumblättern! als sommerdrink unverzichtbar. im herbst die beste erinnerung an sonnige tage. im frühling die drink-gewordene vorfreude auf das erblühen des lebens.

für uns allerdings war der drink – vielmehr seine zubereitung – antoss für so manche philosophische betrachtung. es geht um den sogenanten ‚hard shake‘, der unverzichtbarer bestandteil der zubereitung ist, um den basilikumblättern ihren unvergelichlichen geschmack zu entlocken – oder herauszuprügeln, sozusagen.  im vergleich zur sonstigen ästhetik des shakens sieht der ‚hard shake‘ für den betrachter bei der durchführung eher ungelenk, unelegant und plump aus. so als wolle ein ein jugendlicher primat im zoo eine kokosnuss öffnen, indem er sie wiederholt und heftig auf einen stein schlägt. (ganz schlim anzusehen: der ‚double hard shake‘: jene unvorteilhafte bewegung mit beiden armen und zwei shakern gleichzeitig ausgeführt).

doch immer öfter konnten wir bei ambitionierten barkollegen im in- und ausland diese wahrhaft unattraktive technik des shakens auch ganz ohne den zusatz ‚hard‘ beobachten, also ohne technische notwendigkeit. dies veranlasste uns zu der frage: ist scheiße das neue schön? und wir haben es einfach  nur nicht mitgekriegt? wo ist die ästhetik und eleganz des shakens hingekommen? ist das ebenfalls ein bestandteil der barschule der vergangenen jahrzehnte, die der „Nu Era“ der Bar, der Renaissance der Speakeasy- und Prohibitionsbars, vermischt mit einer ordentlichen portion hipster-tum, weichen musste? darf man, als ein mit vollbart, tattoosleeve und lederschürze betaner großstadtbartender nicht mehr attraktiv beim shaken wirken?

wir haben bislang noch keine antwort auf diese fragen gefunden. wir haben nur für uns entschieden, dass wir bei der technischen notwendigkeit, also beim hard shake des Basil Smashes, unsere ästethischen vorstellungen gerne über bord werfen, und eben eine kokosnuss auf dem stein hauen. jedoch ansonsten sind wir unserem stil des elegenten shakens, gerade aufgerichtet mit stolzer brust und breiten schultern wie ein wie ein flamencotänzer, treu geblieben, und möchten das auch weiterhin tun.

 

2. Ramos Gin Fizz

das königliche upgrade für den gin fizz. die renaissance der einweiß-verwendung an der bar, jenseits von pisco sour. bestehend aus old tom gin, frisch gepresstem zitronensaft, handgemachtem läuterzucker, sodawasser und eben eiweiß ist der drink für uns ein sinnbild für jenes vorväterliche sprichwort geworden: ‚gut ding will weile haben‚.

ein Ramos braucht zeit. gute 8 minuten sollte er, fertig zubereitet, ruhen, bevor man das sodawasser langsam an einem langstiligen barlöffel entlang in den drink träufelt. sodann entsteht, den gesetzen der physik und der chemie sei dank, etwas wunderbares. eine locker-cremige, jedoch stabile schaumkrone steigt über dem glas empor, und krönt den drink mit einem ungeahnten genussmoment. der geduldige gast wird belohnt mit einem geschmackserlebnis, das süchtig macht, und endlich der urdefinition dessen , was „sich etwas auf der zunge zergehen lassen“ bedeutet.

 

3. Rusty NailIMG_7864

die kräftige mischung aus blended scotch whisky und drambuie, verfeinert mit einer orangenzeste und einer maraschinokrische, ist an sich gar kein getränk für ladies. in unserem fall schon: für uns wird dieser drink auf ewig verknüpft bleiben mit der kreativen muse unserer bar, mit unserer unvergleichlichen, multitalentierten julie. lange tage und noch längere nächte verbrachte sie mit recherche, konzeption, kreativer ideenfindung und grafischer umsetzung, alles im dienste der alchmisten der nacht. unser barbuch ist ihr zu verdanken, genauso wie viele unserer blogartikel, und auch die zahlreichen zitatbilder, die unsere wände zieren, stammen aus ihrer feder. hat ihr kreativer motor sich auf unsere Havana Bar ausgerichtet, entstand ein wahres feuerwerk an ideen, konzepten, bildern, geschichten. und zu später stunde, mit dem laptop an ihrem lieblingsplatz am ende des Tresens sitzend, bestellte sie sich einen Rusty Nail, als finale kreativspritze und gleichzeitig als enspannender genussmoment nach getaner künstlerisch-kreativer arbeit.

 

4. Mojito Havana

ganz ehrlich, wir geben es offen zu: wir haben, während wir im jahr 2014 unseren konzeptwechsel von der kubanischen latino-cocktailbar hin zur vintage bar im stil der 20er jahre vollzogen haben, auch darüber nachgedacht, ob wir unseren namen Havana Bar behalten sollen, oder nicht lieber, um auch nach aussen die änderungen noch markanter zu zeigen, unter neuem namen in die zukunft zu gehen. doch wir haben uns dafür entschieden, den namen Havana Bar zu behalten, und ihn im sinne des kubas der wilden 20er, 30er und 40er jahre zu interpretieren.

in jedem fall ist seit anbeginn unserer bar vor 17 jahren der Mojito einer der ganz großen renner. der  ‚Mojito Havana‘ ist unsere ureigene interpretation des kubanischen nationalgetränks, mit zerriebener minze und somit intensivem minzgeschmack, dreijährigem Havana Club Rum, limette und soda. fluch und segen zugleich, denn die zubereitung ist aufwändig, aber auch unverwechselbar, und so haben wir mit dieser variation über die jahre hinweg einen echten signature drink unserer bar geschaffen, dessen beliebtheit entscheidend dazu beigetragen hat, den namen der großen alten Havana Bar zu behalten, zu ehren und neu zu interpretieren.

 

5. Americano.IMG_2066

der leichte klassiker, bestehend aus campari, antica formula wermut und soda, bestäubt mit den ätherischen ölen einer orangenzeste, war im vergangenen jahr der stetige begleiter, wenn es um spätabendliche suche nach inspiration ging. sich am eigenen tresen als gast niederzulassen, gewissermaßen inkognito die andere seite der bar zu inhalieren, war oft erquicklich und erkenntnisreich. der perspektivenwechsel hin zur sicht des gastes hilft uns, eigene schwächen zu erkennen und zu verstehen, und die kreativität für neue wege blühen zu lassen. und der Americano hat uns dabei begleitet, und wird fortan auf immer unser inspirationsdrink bleiben.

 

 

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