5 klassische Drinks für den modernen Gentleman.

HerrenWann ist man ein Mann? Und was trinkt der Mann von heute? Und wie wird man vom Mann zum „Gentleman“?

Der Durchschnittsmann von heute trinkt gerne Bier. Und Bier. danach gerne ein Bier. Und ganz selten vielleicht auch ein Wodka-Bull.

Es ist jedoch ein leises Aufbäumen gegen diese Gebräuche erkennbar. Dank der aufkeimenden klassischen Cocktail Bewegung, Dank den aus den Boden sprießenden kleinen Destillerien und Brauereien, und nicht zuletzt dank Fernsehsendungen wie Mad Men, interessieren sich langsam immer mehr Männer für die höhere Kunst des Trinkens, für klassische, handgemachte Drinks alter Schule. Und damit für eine ganz entscheidende Disziplin auf dem Weg, ein moderner Gentleman zu werden, ein Cocktail-Coinasseur, ein Bessertrinker.

Während der Prohibition gingen eine Menge großartiger Drinks und Produkte verloren. Als diese dunkle Zeit für unsere Zunft Mitte der 1930er vorüber war, wurde der Brauch des Trinkens bis in die 60er munter weiter gepflegt. Und trotzdem stammen die meisten großen Klassiker, die bis heute überleben, aus der Zeit zuvor, den 1920ern, dem Golden Age der Cocktailkunst.

Ein moderner Gentleman sollte diese Getränke in Ehren halten, sie für ihren guten Geschmack und ihre Geschichte schätzen und sich damit auseinandersetzen, wie sie zubereitet werden. Hier aufgelistet findest du als moderner Gentleman fünf Drinks, die dir innig vertraut sein sollten. Du solltest ihre Geschichte kenne, wissen, wie sie schmecken und du solltest soweit mit dem Zubereitungsritual vertraut sein, dass du erkennst, ob der Barkeeper deines Vertrauens dies auch beherrscht. So wie wir in der Havana Bar. Wir wollen mit dieser Erklärung und mit jedem Drink, den wir dir machen, unseren Beitrag dazu leisten, dass die Goldenen Zwanziger wieder aufleben können.

Der Old-Fashioned

Dies ist der Drink mit der größten Bandbreite an Variationen, der Ursprung so vieler Dispute, mit der am schnellsten wachsenden Beliebtheit aber dennoch derjenige, der am häufigsten missverstanden wird. Dank Donald Draper aus Mad Men wird dieser Drink landauf landab von Horden unerfahrener Barbesucher bestellt. Die schlechte Nachricht hierbei ist, dass bei weniger gebildeten Barkeepern Praktiken aus der Dunklen Ära der Cocktails auch heute noch an der Tagesordnung leigen. Wir meinen die 70er bis 90er Jahre, in denen sich schreckliche Fruchtpunschverschnitte größter Beliebtheit erfreuten.

Tatsache ist: je weniger Bestandteile ein Drink hat, desto schwieriger ist die Zubereitung. Die perfekte Balance hinbekommen, bei nur drei Zutaten. Wahre Alchemie also.

Man löst den Zucker mit einem Tröpfchen Wasser in einem Whiskey-Glas auf und fügt Angostoura hinzu, ein kleines Stückchen Eis, eine Zitronen- und Orangenzeste und natürlich Whiskey. Der Old-Fashioned wird gerührt. Woran erkennst du einen Meister der Mixology am Werk? Wenn er die Oberfläche des Drinks mit den ätherischen Ölen der Zitronenzeste parfümiert. Er ist auf jeden Fall ein Scharlatan, wenn er dir kleines, krümeliges Crushed Eis hinein mixt und deinen Drink verwässert.

Der Sazerac

Hättest du diesen Drink vor ein paar Jahren bestellt, hättest du mit Sicherheit interessiert-musternde Blicke geerntet. Wegen seiner Geschichte und seines einmalig fantastischen Geschmacks ist er ein unaufdringlicher Liebling der Barbekenner und Bessertrinker. Aber eben unbekannt. Er stammt aus dem New Orleans der 1850er Jahre und im Grunde verdanken wir ihn zwei schlauen Männern: einer, der Sazerac de Forge et Fils importierte und seine Bar in „Sazerac House“ umbenannte, wo der Cocktail populär wurde. Und der zweite der Urvater der Peychauds Bitters, welche die Straße runnter vom Sazerac House produziert wurden.

Die namengebende Hauptzutat von französischem Cognac wird heute in der Regel durch Rye Whiskey ersetzt.

Der Drink ist trocken und würzig, die Vereinigung von Peychauds, Absinthe und Rye ist etwas wahrhaft einmaliges. Dein Barkeeper sollte einen hochwertigen, würzigen Rye verwenden und die Zutaten mit Eis verrühren. In das Whiskey-Glas wird etwas Absinthe gegeben und geschwenkt, um das Glas gänzlich zu benetzen. Die Mixtur wird abgesiebt eingeschenkt und eine Zitronenzeste über der Oberfläche ausgedrückt.

Der Manhattan

Er ist mit ziemlich großer Sicherheit der bekannteste und langlebigste unter den Klassikern, von vielen in Literatur und Film genossen, vor allem von wahren Gentlemen. Vermouth betrat die Bühne der Mixologie um 1870 und sollte drastische Änderungen mit sich bringen. Plötzlich konnte man es nicht mehr Cocktail nennen, wenn man Spirituosen mit minimalen Zugaben von Liquoren, Bitters, Zucker oder manchmal Frucht „vermischte“. Nun mussten Spirituosen das Rampenlicht teilen und durften in beliebten Drinks teilweise nur mehr eine Nebenrolle spielen. Unstrittig war der erste dieser Gattung der Manhatten, im Manhatten Club in –jaaa- Manhattan gemixt. Frühe Exemplare beinhalteten Maraschino Kirschen, Absinthe oder Syrup und hatten sich noch nicht auf Whiskey spezialisiert. Allerdings wurde der Drink über die Jahre simpler. Und ehrlicher. Die Art des Whiskey uns des Bitters sind nach wie vor frei wählbar. Grundregeln sind: Hochprozentig mixt sich besser, mit Rye ist er trockener und würziger, wohingegen Bourbon den Manhattan vollmündig und süßlich macht.

Immer rühren, niemals shaken, abseihen und in der Cocktail-Schale servieren; nicht on the rocks.

Der Martini

Es gibt weltweit kaum so viele verschiedene Meinungen zu einem Thema wie zum Ursprung des Martinis. Hiermit befassen wir uns in einem anderen Beitrag. Unabhängig von der Herkunft ist und bleibt das Konzept dasselbe.

Der neuesten und beliebtesten Version, dem Dry Martini, liegt eine Abänderung der Rezeptur zugrunde: italienischer Vermouth wurde durch französischen ersetzt. Nach der Prohibition wurden Martinis mit der Zeit trockener und trockener, der Vermouth Anteil reduzierte sich auf ein Minimum. Eine solche extreme Meinung besagte, dass ein guter Martini aus einer Flasche Gin bestehe, die neben Vermouth im Regal steht. Vermouth existierte für Barkeeper quasi nicht mehr. Dann kam auch noch James Bond hinzu und verwirrte alle, indem er seinen Kangaroo Cocktail einen „Vodka Martini“ nannte. Sogar das Bond Girl war verwirrt. Ein klassischer Gentlemen würde niemals einen Martini mit Vodka trinken. Er trinkt ihn aber sehr trocken , so wie er bei uns zu bereitet wird. Eiswürfel in der klassischen Cocktail Schale mit Vermouth benetzen, stirren, schwenken, niemals shaken, wegkippen. Das leere Glas mit Gin auffüllen. Man muss ja nicht übertreiben.

Americano 3_FotorDer Negroni

Im Italien der 1860er Jahre erfand Gaspare Campari (selbstredend Gründer des Spirituosenkonzerns Campari) einen Bitterlikör und nannte ihn geistreich Campari. Dann eröffnete er ein Café. Der Signature Drink in diesem Café war der Milano Torino, welcher Campari aus Milan mit Cinzano Vermouth aus Turin kombinierte und mit Soda auffüllte. Dann wurde der Milano Torino umbenannt. Verschiedene Legenden ranken sich um die Entstehung des Namens „Americano“ für diesen Drink. Egal, welcher man Glauben schenkt, er erfreute sich großer Beliebtheit, er war sogar der erste Drink, den James Bond jemals bestellte. Kein Witz. Im Jahre 1919 dann wollte ein Graf eine stärkere Version des Drinks und ließ Soda durch Gin ersetzen. Die Geburt des Negroni.

Gin, Vermouth und Campari werden mit Eis gestirred und dann in einen Tumbler ab gesiebt. Wahlweise zu garnieren mit einer Orangen- oder Zitronenzeste.

Die drei Zutaten harmonieren auf wundersame Weise miteinander und schaffen es, sich gegenseitig zu akzentuieren. Der Negroni ist ein Drink, der dich dein Leben lang begleiten wird, sobald du ihn einmal getrunken hast.

 

So long, Gentlemen of today. Wir sehen uns an der Bar. Viel Spaß beim durch probieren.

 

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