gintasting im herbst. und ein paar spannende fragen dazu.

[gintasting im herbst]

herbst. die tage werden kürzer. dafür die nächte länger. wir finden das eigentlich gar nicht so schlecht. wird die nacht länger, haben wir mehr zeit zur entfaltung. ist es früher dunkel, schleicht sich das unangenehme gefühl früher zur türe hinaus, welches entsteht, wenn man von der sonne beleuchtet sich einer sprituose zuwendet.

und so wenden wir uns, eingehüllt in den herbstlichen mantel der frühen dunkelheit, eingehend unserer erklärten lieblingsspirituose zu. dem gin.

bevor wir ans verkosten gehen, stellen wir uns eine frage. eine sehr spannende, wie wir finden. denn niemand weiß es eigentlich ganz genau:


 

was ist gin eigentlich genau? wann ist gin ein gin? und wann darf sich ein gin „london dry gin“ nennen? was ist erlaubt, und was darf nicht sein in der gin-welt? und was hat sloe gin eigentlich noch mit gin zu tun?

fragen über fragen. aber schön der reihe nach.

 


 

www.ginobility.de klärt uns auf:ginobility
„Bei Gin handelt es sich um einen klaren Branntwein, der auf der Basis von hochprozentigemNeutralalkohol hergestellt wird und dem nebendem charakteristischen Wacholder weitere
Kräuter und Gewürze beigefügt werden. Wird die Spirituose dann ohne weitere Destillation direkt abgefüllt (Dieser Prozess wird auch„Mazeration” genannt), bezeichnet man sie als
„Compound Gin“ und genießt als billigste Gin-Variante kein großes Ansehen. Folgt der Mazeration der pflanzlichen Bestandteile eine weitere Destillation, darf sich das Endergebnis dagegen als „Distilled Gin“ bezeichnen.“

um etwas mehr licht ins dunkel zu bringen, haben wir hier die klassifizierungen von gin aufgelistet:

DRY GIN [trocken, wachholderig und fragwürdig]: dem neutralalkohol werden die botanicals [pflanzliche geschmacksstoffe] in einzelnene schritten zugegeben. hier ist fast alles erlaubt: farbstoffe, aromen und sogar künstliche aromastoffe [was uns sehr erstaunt hat]. ausgeprägtes wacholderaroma ist meist vorhanden, aber nicht zwingend notwendig.

 

NEW WESTERN DRY GIN [kräuterig und explizit nicht wahholderig]: der neue stil des gins, erst in den letzten 10 jahren entstanden. der wachholder rückt in den hintergrund. vielmehr eine ausgewogene und runde komposition der kräuter, beeren, wurzeln, früchte und so weiter. hier tut sich ein neues universum ungeahnter möglichkeiten der geschmackserlebnisse auf. und die entwicklung steht erst am anfang. prominenter vertreter z.b. MARTIN MILLER DRY GIN.

 

LONDON DRY GIN [trocken, würzig, wacholderig, mind. 37,5 % alc]: entgegen der ansicht vieler handelt es sich bei LONDON eindeutig nicht um eine herkunftsbezeichnung. london dry gin darf, aber muss nicht aus englands hauptstadt kommen. vielmehr bezeichnet der name das herstellungsverfahren: alle zutaten [botanicals] werden vor oder während der destillation gleichzeitig dem neutralalkohol zugegeben. farbstoffe und künstliche aromastoffe sind – den göttern sei dank – verboten.

 

PLYMOUTH GIN [leicht gesüßt, stärker, fruchtiger und mit weniger wahholder, mind. 41,2 % alc]: in diesem fall ist PLYMOUTH tatsächlich eine herkunftsangabe – dieser gin muss in der englischen hafenstadt gleichen namens destilliert worden sein. hier dreht es sich weniger um den wachholder, sondern fruchtige, wurzelige und erdige geschmäcker treten in den vordergrund. plymouth wird dreifach destilliert, leicht mit zucker versetzt und ohne bitterstoffe hergestellt.

 

OLD TOM GIN [leicht gesüßter, ursprünglicher gin]: das ist der ursprung. der großvater des gins, sozusagen. im 18. und 19. jahrhundert das werkzeug des kleinen mannes, um den unangenehmen alltag dieser zeit erträglicher zu machen. da er pur gekippt wurde, hat man den OLD TOM GIN mit zucker vesetzt. heute erlebt er nach einem jahrzehntelangem tiefschlaf eine wahre renaissance an der bar, da ihm eine hohe mixability bescheinigt wird.

 

SLOE GIN: ist gar kein gin. noch nicht mal im ansatz. SLOE heißt ‚Schlehe‘, und ist das basisprodukt für diesen interessanten schlehen-likör. ja, richtig gelesen. wir sprechen hier von astreinem schlehenlikör mit maximal 30% vol. alkohol. aber nicht falsch verstehen: er ist äusserst wohlschmeckend und eine hervorragende mixzutat, vor allem im bekannten SLOE GIN FIZZ.

 

[gintasting im herbst]

[gintasting im herbst]


 

nun wenden wir uns den wahren geheimnissen der ginherstellung zu: den BOTANICALS. jede destillerie hat ihre eigene, wohlgehütete rezeptur. es geht hier um beeren, früchte, wurzeln, kräuter, samen, gewürze, rinden und vieles mehr.

die am häufigsten verwendeten botanicals sind: wachholder, fenchelsamen, ingwer, kardamom, rosmarin, lavendel, muskat, zitronenschale, orangenschale, kubebenpfeffer, angelika, veilchenwurzeln, chinarinde, und und und. je nach hersteller werden zwischen 5 und 50 verschiedenen botanicals verwendet.

 

auch das WASSER, mit welchem der gin dann auf trinkstärke herabgesetzt wird, spielt natürlich [oder vermeintlich] eine tragende geschamcksrolle. so brüstet sich mancher hersteller mit der zugabe von ‚alpinem gletscherwasser‘, von kristallklarem ‚bergquellwasser‘ oder ‚granitgefiltertem urwasser aus tiefsten schichten‘. wir lassen das einfach mal unkommentiert. aber eines ist klar: jeder der inzwischen zahllosen neuen ginmarken muss sich irgendwie hervortun, um auf sich aufmerksam zu machen. wahre kreativität in worten und wahre kunst in der destillation – beides ist gleichermaßen wichtig, um auf dem umkämpften ginmarkt zu bestehen.

1 Comment

  • Hamid sagt:

    I love Midori Sours and Strawberry Margaritas. Can’t drink much right now, but those are my favorites. Kev, I must say that it’s enaittrening to me that you have a bar in your home considering the only alcohol‘ your parents had in the house back in the day was non-alcoholic beer. Cracking me up!

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