Ein kleines Was-Ist-Was zum Thema Craft Beer.

Seit geraumer Zeit ist Craft Beer in aller Munde. Dass dies ein handwerklich (craft) gebrautes Bier (beer) beschreibt, dürfte mittlerweile bekannt sein. Das ist jedoch relativ vage und lässt viel Interpretationsspielraum.

Wir halten hier kurz fest: Biere mit eigenem Charakter sind gemeinhin Craft Biere. Ein stark gehopftes Bier ist aber nicht unbedingt ein Craft Beer und ein schwach gehopftes nicht automatisch keines. Es geht mehr um die Unterscheidbarkeit eines Bieres zum nächsten. Es ist ein Craft Beer, wenn es sich von der Masse abhebt.

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Zu viel zum allgemeinen Verständnis. Will man also tiefer in die Materie einsteigen, staunt man nicht schlecht, da sich ein ganzes Universum an weiteren Begriffen auf zu tun scheint. Wer Bier für ein einfaches, ehrliches, selbstverständliches Genuss- und Durstlöschinstrument hielt, vor dem eröffnet sich die Welt einer leidenschaftlichen, facettenüberreichen und lebendigen Subkultur.

Du gehörst zu denjenigen, die unbedarft das erste Mal in unserer Havana Bar mit dem Thema konfrontiert wurden? Oder vielleicht bist du auch schon halbwegs versierter Craft Beer Genießer. Dann denkst du bei „Ai Pi Ey“ wohl nicht mehr an eine chinesische Dynastie. Allerdings erinnert dich „dry hopping“ an ein Hüpfspiel aus dem Kindergarten?

Egal wie gut du dich schon auskennst, wir wollen dir hiermit eine Übersicht zum Thema schaffen:

  • IPA (India Pale Ale)

Das unbestrittene Flagschiff der Szene kommt ursprünglich aus England. Und hat in der Tat mit Schifffahrt zu tun. Auf einem Schiff nämlich wurden Unmengen britischer Soldaten ins ferne Indien geschickt, um dort ein Handelsimperium aufzubauen. Dort fehlte ihnen natürlich ein wesentlicher Bestandteil ihrer Kultur: Ale, der Briten obergäriges Nationalgebräu. Es gehört also für eine umsorgende Regierung selbstredend zum guten Ton, ihren Jungs heimisches Bier in die große weite Welt nachzusenden. Normales Bier war jedoch zu empfindlich, um es um den halben Globus zu schippern. Bier hat jedoch das Glück, dass es von vornherein 2 Zutaten beinhaltet, die –wenn erhöht- die Haltbarkeit natürlich erhöhen: Alkohol und die Gerb- und Bitterstoffe im Hopfen. Gesagt getan, beides wurde also erhöht und das stark gehopfte Starkbier fand auch zuhause in England Anklang. Für den auf Exaktheit bedachten Bierhistoriker: India Pale Ale wurde also nicht für den indischen Kolonialmarkt produziert, erlangte aber erst durch ihn seinen Bekanntheitsgrad und wurde rückwirkend so genannt.

Mit dem Erscheinen von Kühlmöglichkeiten auf dem Weltmarkt verschwand das IPA – bis eine Renaissance der amerikanischen Bierkultur es neu interpretiert und zu einer zweiten Hochzeit verhalf.

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  • Pale Ale

Der eigentliche Vater des India Pale Ales wird heute leider oft als kleiner Bruder missverstanden. Historisch wesentlich älter hat es viel mit Pilsenern gemeinsam. Da beide erst aufgrund einer gleichmäßig hellen Röstung des Gerstenmalzes möglich waren, mussten sie auf fortgeschrittene Röstmethoden warten. Bis dato waren die gebrauten Schwarzbiere, Brown Ales und ähnliches sehr sehr dunkel. „Pale“ (zu deutsch: blass) ist also mit Referenz zu diesen Bieren zu verstehen, nicht zu den hellgelben Hellen unserer Zeit.

Der Unterschied zwischen Pale Ale und Pils? Hauptsächlich, wo die Hefe bei der Gärung schwimmt: Ale (wie Weißbier oder Kölsch) ist obergärig, Pilsener Lager untergärig.

Was findet die Craft-Beer-Bewegung an obergärigen Bieren? Lager heißen Lager, weil man sie für die Reifung lange lagern muss, obergäriges Bier ist schneller fertig. Die in den USA losgetretene Welle an Craft-Beer entstammt dort der Heimbrauerszene, denen es an Kapazitäten fehlte: obergärige Biere waren also schlicht und ergreifend praktikabler.

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  • C-Hops

Während der typische deutsche Pilstrinker Hopfen ausschließlich mit Bitterkeit in Verbindung bringt, kreuzten und züchteten die Amerikaner fleißig neue Hopfensorten. Diese können teilweise solch kräftige, fruchtige Aromen aufweisen, dass manch Bayer von einem typisch amerikanischen, künstlich aromatisierten Produkt ausgeht und ungläubig schaut, wenn diese Biere innerhalb der Grenzen seines geliebten Reinheitsgebotes liegen. C-Hops sind dabei drei besonders für ihre Aromen geschätzten Hopfensorten: Cascade, Centennial und Columbus.

  • Dry Hopping

Aus dem Englischunterricht kennt mancher vielleicht noch das Schlagwort „false friend“: dieser Begriff ist definitiv einer. Bei der wortwörtlich übersetzten „Trockenhopfung“ geht es nämlich genauso feucht zu, wie während des normalen Brauens. Gemeint ist mit „dry hopping“ die Zugabe von Hopfen nach dem eigentlichen Brauvorgang. Der echte deutsche Fachbegriff hierfür ist Kalthopfung oder Hopfenstopfen. Beim Brauen an sich gibt Hopfen hauptsächlich Bitterstoffe ab, während das Kalthopfen ätherische Öle besser zur Geltung bringt. So kann man auch aus einem untergärigen Lager eine Fruchtbombe machen.

  • IBU

International Bittering Units oder kurz: Bittereinheiten sind festgelegte Standardmaße für die wahrgenommene Bitterkeit eines Bieres. Die ergibt sich aus dem zugesetzten Hopfen. Manche Hopfen-Vernarrte (miss-)verstehen IBU’s als die PS der Bierwelt: je mehr desto besser. Ein kräftiges, norddeutsches Pils liegt beispielsweise bei 40 IBU. IPAs und vor allem Double IPAs treiben die Bittereinheiten gern an die Spitze, obwohl es fraglich ist, ob jenseits der 100 IBU irgendwer noch geschmackliche Unterschiede feststellen kann.

  • (Russian) Imperial Stout

From Russia with love. Ebenfalls für den Seehandel entwickelt, allerdings diesmal fürs Baltikum. Diese schwarze Schönheit verdankt ihr Aussehen schweren, dunklen Malznoten, die geschmacklich gerne auch mal Richtung Kakao oder Kaffee gehen. Imperial Stouts passen hervorragend in die kalte Jahreszeit und mit einem Alkoholgehalt zwischen 7 und 17% wärmen sie auch im kältesten Winter von innen.

  • Imperial/Double *Irgendwas*

Das Verlangen, ständig neuere, revolutionärere, geschmacklich herausforderndere Biere zu kreieren war hier der Antrieb. Die Evolution von Stout zum Imperial Stout war hier das Vorbild: mehr von allem! Mehr Hopfen, mehr Malz, mehr Alkohol. Dieser einfache Grundgedanke wird heute auf so ziemlich jeden Bierstil angewendet: Imperial IPA, Imperial Pilsener, Imperial alles. Wem’s schmeckt …

 

Somit wären wir mit unserem kleinen Überblick der Welt der Craft Beer auch schon am Ende. Damit kannst du das nächste Mal bewusst und selbstbewusst das kaltgehopfte Braufactum anstatt des würzigen East India Pale Ales bestellen. Und weißt auch ehrlich, wovon du sprichst.

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