Being a Bartender – 3 Klischees über uns und deren Wahrheitsgehalt

Tobi und Timo Portrait SnapseedIn vergangenen Beiträgen haben wir uns bereits der Schuld bekannt, dass wir ab und an (aber wirklich nur selten!) unsere Gäste in Schubladen einteilen… Wir stehen dazu, man muss das alles mit einem Augenzwinkern sehen.

Uns ist jedoch auch vollkommen bewusst, dass wir wiederum genauso in Schubladen gesteckt werden. Ja, ihr könnt es ruhig zugeben. Wenn man „Bartender“ sagt, habt ihr doch auch ein bestimmtes Bild vor Augen. Mit einem Augenzwinkern natürlich 😉

Daran ist auch nichts verwerflich – jeder Job hat seine Stereotypen, seien es Ärzte, Anwälte, Bauarbeiter oder Skilehrer. Unser Beruf ist da keine Ausnahme. Wir finden zwar, dass wir den besten Job der Welt haben, aber auch uns schlägt von lachhaften Missverständnissen bis haarsträubenden Unwahrheiten einiges entgegen.

Wir wollen dazu nun Stellung beziehen, in unserer neuen Reihe „Being a Bartender“. Was wir denken, was ihr so über uns denkt, und was wir wiederum darüber denken, dass ihr so denkt wie ihr denkt. So oder so ähnlich. Manchmal vielleicht auch einfach nur, was wir übers Bartender-Dasein so denken.

Here goes…

 

  1. Bartender sind Schulabbrecher

Die wahrscheinlich bekannteste Schublade – „wer nix wird, wird Wirt!“

Die Theorie hält sich hartnäckig, dass Servicepersonal wie Bartender nicht die hellsten Kerzen auf dem Kuchen sind, und mit viel Glück gerade mal die 9 Jahre Schulplicht mehr schlecht als recht abgesessen haben.

Leider müssen wir das korrigieren. Unter unseren Mitarbeitern gibt es ungelogen von der Mittleren Reife bis zum Doktortitel alles. Ja, viele sind Bartender während eines Studiums oder machen es nebenberuflich. Aber es gibt auch diejenigen unter uns, die das tatsächlich als Hauptberuf machen.

Und da grenzt es manchmal schon fast an einer Beleidigung, wenn uns ein Gast fragt „Und, was machst du so im echten Leben?“. Wir nehmen aber auch das mit einem Augenzwinkern hin, immerhin gehört ja auch das zu unserem Job und ehrlich gesagt: woher sollt ihr es denn wissen. Aber doch, für uns ist hinter dem Tresen stehen unser „echtes Leben“ 🙂

Warum? Wir sind Bartender, weil wir welche sein wollen, nicht aus Verlegenheit, weil wir müssen. Wir machen den Job nicht, weil wir sonst nichts drauf haben. Wir sind nicht abgerutscht und es gibt für uns keinen Ausweg mehr, weil uns sonst kein Weg offen steht. Es ist unsere innigste Leidenschaft. Egal welchen höchsten formalen Bildungsgrad (was für ein Unwort!) wir innehaben – Wir finden, dass wir mit Abstand den besten Job der Welt haben.

 

  1. Bartender sind Alkoholiker oder mindestens grundsätzlich betrunken

Während man das obige Klischee noch als plakativ-väterliches oder einfach unwissendes Nachhaken abtun kann, ist dieses hier tatsächlich ein übles, schlimmes Vorurteil.

Viele Gäste denken, dass Bartender grundsätzlich im Dienst saufen. Ja, man genehmigt sich hin und wieder mit seinem Team nach Abarbeiten der Happy Hour ein gemeinsames Anstoßen. Das ist in einem Büro nach einem erfolgreich abgeschlossenen Meeting wahrscheinlich nicht der Usus. Obwohl – wer weiß. Vielleicht trinken wir auch mal mit Gästen einen Shot, auf den Abend, aufs Leben, auf uns. Aber nur weil wir für euch mit Alkohol arbeiten, heißt das noch lange nicht, dass wir selbst dauer-alkoholisiert sind.

Du glaubst das nicht? Fragst du deinen Apotheker auch, ob er grundsätzlich auf Morphium ist?

Eben 😉

 

  1. Bartender sind Frauenhelden

Irgendwie hält sich der Gedanke, dass Bartender jede Nacht eine andere Frau abschleppen. Aus dem gängigen Konzept von Angebot und Nachfrage müsste sich das doch recht schlüssig ergeben: an einer Theke findet sich ein beinahe grenzenloses Angebot an willigen Mädels und Männer denken doch eh nur an das eine. Wir diskutieren das mal von beiden Seiten aus …

Dass sich unter dem „Angebot“ ab und an ein Mädel befindet, dass sich tatsächlich für den Bartender interessiert, ist keine Seltenheit. Sei es auch nur, um ein Freigetränk zu bekommen. Sie wird niemals einen direkten Korb bekommen, weil das einfach zu unserem Job dazu gehört, jedem Gast einen angenehmen Abend zu bereiten. Manchmal gibt es die Situation, wo man sich kurz dem Gedanken hingibt, dass es tatsächlich etwas werden könnte. Diese Illusion zerplatzt allerdings spätestens dann an der Realität, wenn das Licht angeht aufgeräumt und abgerechnet wird. Welches Mädel wartet schon 2 Stunden allein an der Theke, wenn ihre Freundinnen schon längst ins Bett gegangen sind?

Nun das Ganze noch von unserer Seite betrachtet: ja, wir sind (meistens) eloquent und charmant und zwinkern euch zu. Wir hören zu und reden mit euch und geben euch das Gefühl, dass ihr toll seid. Ihr seid auch tolle Gäste. In dieses harmlose Flirten, was manche Gäste geradezu vom Bartender ihres Vertrauens erwarten, werden dann allerdings Hintergedanken hineininterpretiert. Was viele aber anscheinend nicht auf dem Schirm haben ist, dass auch Bartender monogame Beziehungen führen oder gar eine Familie haben. Und dass dieses Augenzwinkern einfach zum Job gehört.

 

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