Aus Italien in die Gläser der Welt. Über den Ursprung des Americano.

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Meistens sind klassische Cocktails eben klassische Cocktails. Ab und an kommt es jedoch vor, dass wir einen weltbekannten Cocktail konkret einer bestimmten Marke zu verdanken haben.

So schuf die italienische Marke Campari zwei solcher Cocktails im 19. und 20. Jahrhundert. Und obwohl sie ursprünglich einzig und allein auf diese Marke zugeschnitten waren, sind sie aus der heutigen Barlandschaft nicht mehr weg zu denken.

 

Die Rede ist von dem Urvater des Signature Drinks. Dem Americano. Und natürlich sein naher Verwandter, der Negroni. Die beliebte Mischung aus Campari, rotem Vermouth und wahlweise Soda. Ein appetitanregender Italiener, dem unter anderem der 1. Weltkrieg und die US-Prohibition zu internationaler Bekanntheit und in die Gläser jedes Kontinents verhalf.

Was ist ein Signature Drink? Sozusagen eine sichtbare Unterschrift, die eine spezielle Spirituose in deinem Drink hinterlässt. Die Spirituose wird mit Aromen und Zutaten gemixt, die ihre Eigenschaften am besten unterstützen. Primär dient dies der Präsenz. Und natürlich dem Absatz. Aber ein viel gefragter Signature Drink wird fester Betandteil der Cocktailkarten.

 

Campari weiß, wie Signature Drinks zu kreieren und zu vermarkten sind. Jüngstes Beispiel: der Aperol Spritz. Der begrenzt sich allerdings auf den deutschen Raum, während Americanos in aller Welt gerührt werden.

Dies verdankt er nicht zuletzt seiner langen Tradition und dem Aufschwung in einer der umtriebigsten Zeiten Europas. Vielleicht erhielt er Unterstützung von Hollywood oder genauer gesagt: von James Bond, der in Ian Flemings Casino Royale eben diesen Cocktail genoss.

Version 1: Das erste Mal wurde der Americano im Caffé Campari in den 1860ern gerührt. Damals lief er noch auf den Namen Milano-Torinio, nach der Herkunft der beiden Hauptzutaten Campari (Mailand) und Cinzano Vermouth (Turin). Diese allgemein bekannte Geschichte lässt uns glauben, der Name wurde aufgrund der Heerscharen amerikanischer Touristen seinerzeit abgeändert. Etabliert hat er sich dann vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Amerikaner mit der Prohibition ihr eigenes Land trocken legten.

Seit Jahren wird kontinuierlich mehr Wissen über die Herkunft klassischer Cocktails recherchiert und publiziert. Auch wenn diese Theorie zur Herkunft des Namens einleuchtend scheint, Fakten gibt es keine.

Daher gibt es eine zweite, alternative und kaum bekannte Entstehungsgeschichte. Der Americano ist in Wahrheit eine Hommage an einen italienischen Boxer. Der Schwergewichtler Primo Carnera gewann 1933 in den USA den Weltmeistertitel. Somit wäre der Americano um einiges jünger als in der ersten Version.

Nachvollziehen lässt sich dies wohl nicht mehr.

Was als Tatsache gilt: der Americano ist aufgrund seiner Zutaten ein hervorragender Drink. Und unabhängig von Alter oder Namensgebung extrem populär. Zu Recht. Einfach ist oft am Besten.

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