Wer mehr weiß trinkt besser – Die Geschichte des Sazerac aufgedeckt.

Das Ritual, um diesen Drink perfekt zuzubereiten dauert knapp fünf Minuten, je nachdem wen du fragst. In der neumodischen Welt, dominiert vom Zehn-Sekunden-VFC (Vodka-Frucht-Cocktail), ist es ein Wunder wenn ihn überhaupt noch jemand erkennt. Das wollen wir ändern. Das müssen wir ändern. Und du kannst Teil dieser noblen Mission sein. Hier siehst du den Sazerac. In all seiner unauffälligen, unaufdringlichen Schönheit.Foto 22.01.15 21 04 16

Es verhält sich mit dem Sazerac wie mit den meisten großen Legenden und Geschichten. Die Wahrheit ist unter Schichten um Schichten von Gerüchten und Hörensagen versteckt. Schichten, an deren Verbreitung wir in unserer Natur als Bartender nicht ganz unschuldig sind.

So wollen wir nun einen Versuch unternehmen, die wahre Geschichte des Sazerac aufzudecken, einer Ikone der Barkultur. Es kann dabei nur einen Startpunkt geben und das ist ein junger Mann namens Antoine Amadee Peychaud.

Dieser junge Mann zog um 1815 nach New Orleans, um dem American Dream nachzujagen und sich dort ein Leben aufzubauen. Heute wird sich an diesen Mann als den Schöpfer der Peychaud’s Bitters erinnert, ohne die unser Sazerac niemals entstanden wäre. Der Apotheker schuf ein meisterliches Werk an aromatischem Bitter dessen Einfluss seinen Schatten noch auf die Gegenwart wirft. Peychaud’s Bitters sind aus keiner Bar der Welt, die ihren Namen verdient, wegzudenken.

In den 1830ern verschrieb und distribuierte Antoine Peychaud seine patentierten Kräuterbitter als eine Art rudimentären Grogg. Gemixt mit Wasser, Zucker und französischem Brandy sollte sie seinen Kunden ihre Gesundheit zurück  bringen, unabhängig von der Krankheit. Von Brandy glaubte man ohnehin schon immer dass er medizinische, ja magische, Heilkräfte habe.

Dieses Allheilmittel servierte er in einer traditionellen französischen eier-förmigen Schale namens „coquettier“. Hier schließt die Legende an und stellt die wilde Behauptung auf, hieraus hätte sich der Begriff „Cocktail“ etabliert. Tatsächlich existierte das Wort erwiesenermaßen schon wesentlich länger als Antoine. Alles hinfällig, im puristischen Sinne dürfte das auf jeden Fall als Cocktail durchgehen und das einzige, was Peychaud fehlte, war eine Möglichkeit, ihn an den Mann zu bringen.Foto 22_Fotor

Gott sei Dank trat um diese Zeit das coffee house auf den Plan und gleichzeitig erfuhr America ein Aufkommen an Cocktails, Flips, Slings, Groggs und Sours. Peychauds pharmazeutischer Brandy-Cocktail sprach sich also herum und wurde von vielen Coffee Houses mit ins Programm genommen.

Auf dem Weg, in die Geschichte der Alchemie einzugehen fehlte Peychaud also noch eine Sache.

In Form eines Mannes namens Sewell Taylor zog diese Sache wenig später in Antoines Nachbarschaft und eröffnete das größte Coffee House in New Orleans. Er arbeitete ausschließlich mit einem französischen Brandy aus Limoges namens Sazerac-de-Forge et Fils. Er vermixte ausschließlich diesen Brandy mit Peychaud’s Bitters und machte sich damit in der Stadt einen Namen. In einem Geniestreich nannte er den Laden in „The Sazerac House“ um und: die Legende war geboren.

In New Orleans ist tatsächlich heute noch nachvollziehbar, wo dieses einmalige Gebäude stand, dank einer weißen Fließe, in die das Wort „Sazerac“ graviert ist.

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